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Zusammenfassung
Till Eulenspiegel


Libretto, Texte und Musik von Wolfgang Fricke, 1993
Text Redaktion: Viktor Rengstorf

3 Akte, 2 Stunden, 15 Songs

Alter:
Sek. I + Sek. II

Rollen:
ca. 40 oder weiniger

Gesang:
Chöre, Ensembles, Soli

Musik:
Klavier, (Gitarre, Schlagzeug, Orchester, Brass, Orff, Rhythmus etc.)

Kabarettistische Elemente
Naivität, Gesundheitsreform, pädagogische Quacksalber etc.

Tanz:
Einfache Choreographie für den Chor, Volkstanz




Musical · Till Eulenspiegel


Inhalt

Dieses Musical bearbeitet den mittelalterlichen Stoff auf kabarettistische Weise. Nicht nur leichtgläubige Bürger, denen man alles weismachen und aufschwatzen kann, sondern auch viele andere Gruppen unsrer Gesellschaft finden sich in diesem - vorgeblich - historischen Stück in kaum versteckter Form wieder, wie zum Beispiel

  • Ratsherren im allzu eitlen, selbstgefälligen Gehabe
  • Ärzte, die - wenn sie Pech haben - sich nach eigenen Methoden behandeln lassen müssen
  • Juristen, die ihr eigenes Fach-Kauderwelsch selbst nicht mehr verstehen
  • Lehrer, denen ihre neunmalklugen Thesen wichtiger sind als ihre Schüler
  • Pastoren, denen Till auf seine besondere Art die Beichte abnimmt
  • ...und ein Herzog, der einen Narren zu seinem wichtigsten Berater macht
  • sowie Generäle, die dem Herzog gerade dies nicht verzeihen wollen

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Rollen

 
  • Till Eulenspiegel wird von den Menschen sicherheitshalber zum Narren erklärt, weil sie mit seinen unbequemen Wahrheiten so schlecht leben können, womit er jedoch besser zu leben versteht, als seine Widersacher mit ihm;

  • allerlei Marktvolk, Kartenspieler, Wahrsager, Zauberkünstler etc.

  • 5 Bürger, die mal ihrem anfänglichen Misstrauen stärker vertrauen sollten

  • ein Bäcker, der leider nicht ahnen kann, was passiert, wenn andere ihn beim Wort nehmen und seine Frau, eine Frau von Welt, welche für sie nur leider ein wenig klein geraten ist

  • 4 Marktweiber, die erfahren müssen, dass Bosheit stinkt

  • 2 Polizisten, die ihr Opfer suchen, es leider aber nicht bekommen

  • ein Herzog, der die Verhältnisse, in denen er lebt, so gern ändern würde

  • ein Hofmarschall, der weiß, was er just diesen Verhältnissen schuldig ist

  • ein General, der ein wahrhaft unbezwingbares Heer befehligt

  • 2 Soldaten, eben jenes stolze Heer, das alle Problematik von Kriegen gottlob auf unproblematische Weise zu lösen liebt

  • 4 Doctores, an deren juristischem Unwesen bis heute keine Welt genesen kann

  • ein Adlatus, deren Bücher-abstaubender Helfershelfer

  • 4 Höflinge, die notwendigen Claqueure, die daran Schuld sind, dass die Großen dieser Welt den Unsinn langsam selbst glauben, den sie täglich so von sich geben

  • Schicki und Micki, die in keiner gehobenen Gesellschaft fehlen dürfen, und sei es – als Brechmittel

  • ein Zeremonienmeister, der immer für das nötige Brimborium sorgt; - nötig deshalb, damit er selbst nicht unnötig wird - eine bisweilen reichlich schmerzhafte Erkenntnis

  • 4 Hofbeamte, jene wichtigen Leute, die man so nötig braucht, weil sie schließlich den Mist zu bearbeiten haben, der durch sie erst entstanden ist

  • ein Häftling, den es in einer derart intakten Gesellschaft im Grunde eigentlich gar nicht geben dürfte

  • ein Leibarzt, der sich mit seinen eigenen Methoden kuriert und davon nun verständlicherweise krank geworden ist

  • 2 Krankenschwestern, Fachfrauen in der Ausführung obiger Methoden

  • 2 Pfleger, siehe oben, die entsprechenden Quotenmänner

  • ein Chefarzt, eines der bedauernswerten Opfer des Notstands in unserem Gesundheitswesen

  • ein Oberarzt, siehe oben, nur wesentlich subalterner

  • 4 Ärzte, siehe oben, aber als Staffage bei Visiten unentbehrlich

  • Chor der jammernden Kranken, denn was wäre ein Gesundheitswesen schließlich ohne sie?

  • 2 Prälaten, zu Tills Zeiten völlig zu Unrecht, aber deshalb um so lieber Ziel von allerlei Spötteleien, so dass sie auch hier nicht fehlen dürfen
    (- weder die Spötteleien noch die Prälaten)

  • eine Bettlerin, die immer noch der irrigen Ansicht ist, dass bei der Kirche heute finanziell noch viel zu holen sei

  • noch ein Polizist, aber was wären wir schon ohne ihn

  • eine Mutter mit Kind, das den einzigen klugen Satz des gesamten Stückes spricht

  • 6 Schüler, - Pädagogen meinen sich aus der Existenz dieser Unwesen ihre eigene Daseinsberechtigung herleiten zu dürfen

  • 4 Lehrer, niedere Vollzugsgehilfen für Ideen (oder Ideologien), welche höheren Ortes wachsen

  • Erziehungswissenschaftler, Bewohner eben jenes überhöhten, stets leicht umwölkten Olymps

  • sein Assistent, dessen didaktische Gebetsmühle

  • ein Schuldirektor, der nie ermüdende Jongleur zwischen allen pädagogischen Stühlen

  • ... und zu guter Letzt jener Esel, bei dem Pädagogik endlich einmal ablesbare Erfolge zeigt - einer der seltenen bisher bekannt gewordenen Fälle!


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Beschreibung der Songs


1. Prolog für Ensemble
3:31 min
Chor und Solo
versch. Liedmelodien mit Leitmotivcharakter
"Kommt, Freunde, doch mit uns in die Vergangenheit"  
Drei Tills nehmen das Publikum mit ins Mittelalter, das erstaunlich aktuell ist
2. Solo und Chor
3:10 min
Lied mit Choreinwürfen
"Auf dem Seil"
Till und der Chor "Nun sagt doch bloß, ihr glaubt mir nicht"
3. Soli, Ensemle und Chor
1:15 min
3 Strophen
"Geleimt!!!"
Chor der Geprellten über das zu späte Begreifen
4. Solo und Chor
6:20 min
Gassenhauer mit Rezitativ
"Wer zuletzt lacht"
Tills lehrreiche, wenngleich auch sehr schadenfrohe Lebensphilosophie
5. Chor und Solo
0:59 min
versch. Liedmelodien mit Leitmotivcharakter
"Seht sie euch bloß an! Wie nehmen sie sich wichtig?!"
Tills vielversprechender Versuch, sich auch noch den letzten Sympathisanten zu vergraulen
6. Solo und Chor
3:27 min
Finale I, 2 Strophen
"Einen Narren als Berater"
das "Leid"-Motiv des Musicals
7. Instrumental
2:40 min, Spitzentanz
Kleine Ballettmusik
8. Solo und Chor
5:53 min
4 Strophen mit Refrain
"Der Arzt ist krank!"
Ein Lied über gewisse, sehr verkehrte Welten- für Solo Ensembles und Chor.
9a. Soli und Chor
3:10 min
Schlagermelodie
"Das Hospital ist voll!"
Leibarzt mit Ensembles der Peiniger sowie Chor - eine musikalisch-pantomimische Rosskur.
9b. Solo
1:46 min
Schlagermelodie
"Tills Gesundheitsreform."
10. Chor und Solo
3:16 min
Hymne, fetziges Rezitativ
"Er muss weg!"
Ein zunächst Erfolg versprechender Versuch, Abhilfe in der Not zu schaffen, - noch eine Rosskur!
11. Solo, Chor und Ensembles
2:00 min
Finale II, jazzartig, schneller Schlager
"Jetzt wird´s zu bunt, ja so hab´n wir nicht gewettet."
Tills Abg(es)ang
12. Ensemble
2:20 min
einfacher kecker Swing
"Der kleine Mann hat Dreck am Steck!"
Tills musikalische C'est-la-vie-Betrachtung
13a. Chor
1:18 min
choralartig, marschmäßig
"Wir Ratsherrn hier auf Gottes schöner Erde"
allzu bekannte (rats)herrliche Selbstbetrachtung von Vorder- und Kehrseite
13b. Chor
1:40 min
Rezitativ
"Hmm, - Nööh!"
peinliche Vorwürfe, gegen Personen des öffentlichen Lebens, an denen ja bekanntlich nie etwas dran ist.
13c. Solo und Chor
1:46 min
wie Nr. 4a, Gassenhauer
"Das Bild ist leer, ja so fällt man auf die Nase"
eine Vereitelung des allzu Eitlen
14. Soli Chor und Ensembles
1:40 min
Echo, 3 Strophen mit Refrain
"Ich bin ein armer Esel"
Pottpourri der Ungläubigen über die Macht des (Dran-)Glaubens. Ein Lied für den einzigen Esel in diesem Musical, der dies zu sein auch zugibt.
15. Finale III
5:49 min
"Der Esel schweigt!"
die nicht immer so ganz ernst zu nehmende Moral von der Geschicht.


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Szenenfolge


Erster Akt

1. Mit seinem bekannten psychologischen Seiltrick foppt Till die Gaffer und Wundergläubigen und verlässt sie im Durcheinander ihrer Schuhe und Flüche.
2. Till nimmt einen Bäcker beim Wort und backt ihm statt Brötchen Eulen und Meerkatzen.
3. Till entlarvt die Habgier von vier Marktfrauen und macht ein großes Geschäft im Verkauf der gebackenen Eulen und Meerkatzen, die angeblich ein Mittel gegen allerlei Laster der Welt seien.
4. Hier kann der wegen seiner Streiche des Landes verwiesene Till dem Herzog klarmachen, dass man ihm auf einer Karre gefüllt mit Tills eigener Erde nichts anhaben kann.
5. Der Herzog wird von Till davon überzeugt, dass sein Beamtenapparat uneffektiv ist. Till wird persönlicher Berater des Herzogs.


Zweiter Akt

1. Das dekadente Hofleben wird in einem Ballett unterstrichen.
2. Till kann den kranken Leibarzt des Herzogs einfach kurieren, (aus dem Bett jagen), indem er bei ihm dessen eigene Methoden anwendet.
3. Till präsentiert eine wirklich funktionierende Gesundheitsreform: Der Kränkste soll zu Pulver zerrieben und den anderen als Medizin verabreicht werden. Da mag keiner mehr im Krankenhaus liegen.
4. Die Höflinge und Beamten rotten sich zusammen und bewirken, dass Till als Berater abgesetzt wird.


Dritter Akt

1. Als Pater verkleidet deckt Till einige unangenehme Momente der Vergangenheit zweier scheinheiliger Prälaten auf und bringt sie so um den Schein ihrer Heiligkeit.
2. Im Sinne der Geschichte "Des Kaisers neue Kleider" werden hier die aufgeblasenen Ratsherren bloßgestellt, indem sie sich selbst auf einem leeren Bild bewundern.
3. Eine Karikatur von Schule, insbesondere praxisferner Erziehungswissenschaftler, mündet in Tills Streich, angeblich einem Eseln das Lesen beibringen zu können.


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Hör- und Notenbeispiele


Dauer Download eines Hörbeispiels:
ISDN/Modem ca. 4 min
DSL ca. 20 sek.

"Kommt, Freunde, doch mit uns in die Vergangenheit" (Nr. 1)

"Kommt, Freunde, doch mit uns in die Vergangenheit!" (Nr. 1)

Eingangschor

Kommt, Freunde, doch mit uns in die Vergangenheit,
erklärt euch doch zu einem kleinen Bad bereit.
Im Hechtsprung geht's hinein in alte Zeiten,
da könnt ihr Spaß euch und Zerstreuung nun bereiten.
So folgt denn nun den munteren Geschichten,
die aus dem Mittelalter itzo wir berichten:

Im Mittelalter lief der kleine Mann
ja unablässig ständig gegen Wände.
Die hatten aufgebaut vor ihm mal irgendwann
so mit der Zeit die vielen ehrenwerten Stände.
Und warst du Mitglied gar von irgend solchem Stand,
dann warst sozial du auch erst richtig anerkannt.
Doch warst du bloß solch armes, kleines dummes Schwein.
kamst du so ohne Weitres da nicht rein.

So gab's den Adel wie das Handwerk und den Handel, ...


"Der Arzt ist krank!" (Nr.8)

Leibarzt:

Mit mir steht's gar nicht gut!
Ich schwitz nur Schleim und Blut,
mein armes Leben geht zuend, o Schreck, o Graus.
Ich leide Qualen sehr,
find keine Ruhe mehr,
mir fall'n die Haare und die letzten Zähne aus.

Ich bin so schrecklich krank,
mir hilft kein Zaubertrank.
Ich hoffe nur, mein Leiden nähm' gar bald ein End.
Ach, meine Uhr läuft ab,
ich sink ins Massengrab,
weil bald der Tod - weil bald der Tod
mir meinen Lebensfaden grausam schon durchtrennt.
Schnipp-schnapp


"Tills Gesundheitsreform" (Nr. 9b)

Till:

Nun hört mir zu, ihr armen leidgeprüften Kranken,
wie ich gesund euch mach, das werdet ihr mir danken!
Es gibt da eine sichere Methode,
die kommt grad aus Amerika in Mode:
Den Kränksten will zu Pulver ich zerreiben,
und dies will ich den andren Kranken dann verschreiben.

Die haben dann von all den Leiden Ruh.
Kommt, das Mittel hilft im Nu!
Und dazu stelle ich mich einfach hier ins Tor,
und wer so krank nicht ist, der komm aus seinem Loch hervor!
Und wer's nicht kann, der sei getrost und bleibe,
und ich komm' dann mit meiner großen Reibe!

Refrain:

Wer da nicht krank mehr ist….


Finale 2 - "Jetzt wird's zu bunt!" (Nr. 11)

Till:

Jetzt wird's zu bunt!
Mensch, so hab'n wir nicht gewettet!
Das ist wohl das - Letzte, was es auf Erden gibt!
Ja, glaubt ihr denn, so könnt ihr's treiben,
das wär ja gelacht!
Jaa! Denkt vielleicht, wir sind so dumm!
Nein, nun geht's hier anders rum!
Ja, das läuft mit Sicherheit nicht, wie ihr's gedacht!

Chor:

Mensch, ihr Leute:
Stopp!! - Denn so hab'n wir nicht gewettet!
Das ist wohl das - Letzte, was es auf Erden gibt!
Ja, glaubt ihr denn, so könnt ihr's treiben,
das wär ja gelacht!
Ja, das läuft nun mal anders, als ihr's gedacht!

Till:
Denn - ihr erreicht all und jedes nur mit Betrug,
doch wie falsch ihr auch seid,
ihr seid dazu gar nicht fit genug!
Drum - rutscht den Buckel uns runter,
packt doch ein euren Plunder!
Oooh, wir spür'n schon ein Jucken,
euch mal in eure Suppe zu spucken!

Chor: Stop! Denn so hab'n wir nicht gewettet! ...


"Der Esel schweigt!" (Nr. 15)



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