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Hintergründe · Artikel von W. Fricke ·
Musicals - ein Projekt, das Mut macht!
Wie schaffen Sie das alles?


Gedanken über die Einsamkeit des Musiklehrers


Veröffentlicht in "Musik & Bildung/Praxis Musikerziehung" - Nr.12/90, S. 675 ff

Ich steige einfach einmal arrogant-provokativ ein: Die Einsamkeit des Musiklehrers kenne ich nicht - jedoch beeile ich mich, schleunigst hinzuzufügen: ich kenne sie nicht mehr! - Denn natürlich habe ich wie wohl jeder Kollege diese Einsamkeit erlebt. Wer kennte denn nicht jene Lethargie, die sich wie Mehltau über unseren Schulalltag legen kann. Natürlich leide auch ich jeden Tag neu unter dem Frust des Verwaltens und des verwaltet Werdens. Und ich erlebe wie alle anderen täglich von neuem die oftmals allzu lähmende Diskrepanz zwischen all dem, was ich einmal gewollt habe, und dem, was wirklich zu erreichen ich mich am Ende in der Lage sehe.

Nur kann Frust, so widersinnig dies auch klingen mag, auch Impulse geben. Denn neben Lethargie und Lähmung erzeugt Frust natürlicherweise in gewissen Abständen auch das Gegenteil, nämlich einen gewissen Überdruck. Und Gott sei Dank gibt es viele Kollegen, denen es gelungen ist, hieraus den für ihr Lehrerdasein entscheidenden Schritt zu tun. - Als einer von diesen melde ich mich hier zu Wort, um vielleicht anderen Kollegen Mut zu machen und dazu zu verhelfen, für sich selbst gleichfalls Möglichkeiten zu finden, in einem oft genug fatal eng werdenden Schulalltag jenen erlösenden Befreiungsschlag zu landen....

Ich erinnere mich noch ganz genau an jenen leicht weinseligen Abend anläßlich einer schulinternen pädagogischen Arbeitstagung, wo sich ja gelegentlich Stimmungen zwischen Hoffnung und Verzagen einstellen, wo jenes "Man könnte doch mal..." so ganz dicht neben dem "Glaubt doch bloß nicht, daß hier etwas anders werden könnte!" zu liegen pflegt. Und plötzlich stand die Idee im Raum, doch mal ein richtiges, abendfüllendes Musical aufzuführen. Und da damals (1968) Musicals für Schüler noch nicht so unbedingt verfügbar waren, wurde ich dazu verdonnert, eins zu schreiben - und zwar "Emil und die Detektive" - ein Stück, dessen Aufführungen zwanzig Jahre später von Erich Kästners Testamentsvollstrecker zwar verboten wurde, das aber in einer gewissen Pilotfunktion soviele Interessenten erreicht hat, daß es mich dazu anregte, weitere kompositorische Versuche zu unternehmen und so dieses bezaubernde Genre für Schulen weiter zu erschließen, denn bei der Fülle von Möglichkeiten, die sich hier für Arbeit mit Kindern aufgetan hatte, blieb es nicht bei dem einen Musical, - inzwischen wurden daraus fünf.

Ich habe zwar über die Arbeit an diesen großräumigen musikparaktischen Unternehmungen bereits einige Male ausführlich berichten dürfen, aber trotzdem ich bin froh, hier erneut die Möglichkeit zu erhalten, gerade unter dem Aspekt "Einsamkeit des Lehrers" noch einmal darauf einzugehen. Denn während es seinerzeit mehr um die Beschreibung solch eines großen schulischen Musicalprojekts an sich gegangen war, soll hier der Schwerpunkt stärker in der Anregung für Kollegen, im Mut-Machen liegen. Keinesfalls will dieser Beitrag als ein besserwisserisches "So und nicht anders muß ein Musiklehrer sein! - Dieses muß er können! - Jenes muß er machen!" verstanden werden. Vielmehr sollen hier interessierte Kollegen auf das Genre "Musical mit Schülern" aufmerksam gemacht werden, das für unsere Schüler einen neuen und so ungemein fruchtbaren Akzent in ihrem schulischen Alltag setzen kann.

  • Wenn Sie das alles einmal erlebt haben, diese Faszination, die von musicalspielenden Kindern ausgeht, wenn Sie dabei gewesen sind, wie 11-jährige Mädchen und Jungen das sprudelnde Spiel fest in ihren Händen halten, es unbewußt formen, und dabei nicht merken, wie sehr das Spiel sie formt, wenn sie miterleben konnten, wie nur noch die alles fortschwemmende Begeisterung und die große, tiefe Freude zählt, ja dann hätten Sie dabei etwas von dem kennen gelernt, was wir Lehrer uns eigentlich immer so sehr bei unsrer Arbeit an und mit Kindern wünschen: auch und gerade außerhalb des Klassenzimmers kann Schule neue und ungeahnte Chancen erhalten. Dabei kann wohl niemand die Arbeit im Klassenzimmer etwa abschaffen wollen, nur um sogleich nur noch im freien Raum von freiem Spiel und Spontanität mit Kindern zu agieren. Aber - und damit sage ich niemandem etwas Neues - als eine fruchtbare Ergänzung und Bereicherung dessen, was wir täglich im Klassenzimmer tun müssen, kann nicht häufig genug auf andere Ebenen verwiesen werden, auf der sich unsere tägliche Arbeit weitreichender und sinnvoller gestalten lassen dürfte.

Denn es ist ja wohl gerade jene andere Ebene, die für uns von so immenser Bedeutung ist, wenn es beispielsweise darum geht, gerade dem schwachen Kind ein einziges Mal zu vorher nie gekannter Kreativität zu verhelfen. Denn bei einem solchen Musicalprojekt gestalten stets alle Kinder, alle erleben, alle tun gemeinsam etwas für sie Einmaliges, Wunderschönes. Sie erfahren, da es auf jeden von ihnen ankommt, und sie sind stolz darauf, da man sich auf sie verläßt. Selbst jenes immer nur zappelige, störende und oft auch leistungsschwächere Kind, das wir alle so gut aus unsrer täglichen Arbeit kennen, findet hier seinen Platz, und es leistet zusammen mit den anderen etwas ungeheuer Großes. Gerade dieses Kind lernt und wächst an dem Versuch, sich spielend einzugliedern. Die hier gemachten Erlebnisse sind häufig gerade für dieses Kind entscheidender als für all die anderen, denn alle lernen gemeinsam. Hier bleiben Begriffe wie "Toleranz und Solidarität" keine Schlagworte, hier werden sie erlebt und gelebt. All dies ist nicht hoffnungsvolle Theorie. Es wird im Umfeld der Arbeit an einem Musical tägliche Wirklichkeit. Da ist es faszinierend zu erleben, wie eine Musicalinszenierung eine ganze Schule erfaßt und mitreißt. Hier entstehen Bindungen unter Schülern wie auch zwischen ihnen und den Lehrern, die weit über den Tag hinaus bestehen. Was gerade dies namentlich für den Lehrer eines Zweistundenfaches bedeutet, wird erst der ermessen können, der mit derart vielen Schülern so intensiv und lange Zeit, bei soviel positivem Einsatz hat arbeiten können, und dies in einer der entscheidenden kindlichen Entwicklungsphasen. Hier, in solcher künstlerischen wie pädagogischen Kompensation erreicht die gesamte Arbeit in unserem Beruf für den engagierten Kollegen eine - ich will das Wort ruhig gebrauchen - beglückende Dimension.

Und in der Tat gehört es immer wieder zu den erregendsten Aspekten meiner gesamten Arbeit, wenn ich erlebe, wie Kinder reagieren, um die herum etwas für sie derart Wesentliches geschieht und sie hineingenommen sind in eine solch umfassendes, faszinierendes Großprojekt. Dazu seien hier einige der vielen Meinungen wiedergeben, in der sich Kinder über die Bedeutung äußern, welche die Mitarbeit an diesem Unternehmen für sie gehabt hat:

  • "Für mich war dieses Musical sehr wichtig. Wenn ich bedenke, was ich früher immer für ein Herzklopfen hatte, wenn ich einmal etwas allein im Chor zu singen hatte. Und jetzt habe ich ganz allein vor Hunderten gesungen...."

  • "Ich fand es ganz große Klasse, daß wir das Musical spielen durften, auch wenn die Proben manchmal hart und sehr lang waren..."

  • "Trotz der vielen Arbeit würde ich es jederzeit noch einmal machen..."

  • "Ich finde es toll, daß ein Musical dieser Größe an unsrer Schule entstehen kann....."

  • "Auch wenn ich nur eine kleine Rolle bekam, freute mich am meisten, daß ich mitmachen durfte..."

  • "Was mir am meisten gefiel, war die Teamarbeit zwischen Schülern und Lehrern. Die haben uns richtig ernst genommen..."

  • Wo Engagement und Freude so groß sind, daß derartige Strapazen, wie sie die Schule hier verlangt, gern in Kauf genommen werden, da kann der Stellenwert solchen Tuns gar nicht hoch genug angesetzt werden.

  • Ich habe hier nur einige herausragende Punkte des pädagogischen Ansatzes benannt, um die es bei einer solchen Unternehmung geht.

  • Damit es aber nicht wieder nur beim zweifellos unverzichtbaren Ansatz des "Warum und Wozu?" bleibt, sollen im Folgenden nun auch die wichtigsten Aspekte des ganzen praktischen "Wie?" eines solchen Projekts aufgezeigt werden, denn nur so kann ein interessierter Kollege ersehen, was für ihn machbar ist und was nicht, welche Möglichkeiten realisierbar, welche Klippen umschiffbar, welche Pannen vermeidbar sein können. Dabei darf nun keine in alle Einzelheiten gehende Arbeitsbeschreibung für ein solches Musicalunternehmen erwartet werden. Vielmehr muß es meine Absicht bleiben, den Schwerpunkt auf jene Bereiche der Arbeit zu legen, an denen sich am überzeugendsten festmachen läßt, daß das Schicksal der "Einsamkeit eines Musiklehrers", um das es in diesem Heft ja vorrangig geht, ganz gewiß kein unabänderliches sein muß, sondern vielmehr als überwindbar erlebt werden kann und so schließlich in unseren Alltag hineinstrahlen wird und Schule für Kinder wie Lehrer wirklich humaner machen kann.

  • Nun ist mir durchaus klar, daß an jeder Schule unterschiedliche Gegebenheiten herrschen, so daß sich natürlich vieles, was an meiner Schule machbar ist, für manchen Kollegen problematischer darstellt. Dennoch erscheint es mir sinnvoll, an dieser Stelle zunächst einmal von meiner Arbeit und meinen Arbeitsmöglichkeiten zu berichten. Der interessierte Kollege dürfte Phantasie genug haben, sich durchzudenken, wieweit das hier Beschriebene für ihn übertragbar oder zumindest in den Bereich des Vorstellbaren zu rücken ist.

  • Es ist sicher nur zu verständlich, daß ich bei dieser Schilderung aus meiner Begeisterung keinen Hehl mache, denn ich wünsche mir, daß dieser Funke überspringt und so die Voraussetzung für eine der fruchtbarsten Unternehmungen innerhalb unseres schulischen Alltags geschaffen werden kann.

  • Bereits bei den Vorüberlegungen zu meinem ersten Musicalprojekt ist mir klar geworden, wie überlebensnotwendig für das Projekt wie für mich selbst die Entscheidung war, generell nichts allein zu machen!! Ich wußte, daß ich viele Hilfstruppen brauchen würde, und zwar nicht nur wegen der selbstverständlich dringend notwendigen Arbeitsteilung, sondern - und das war das Wichtigere - wegen der Durchsetzbarkeit meiner Vorstellungen und der damit verbundenen Forderungen. Denn erfahrungsgemäß teilen nicht alle Kollegen im Hause die Begeisterung und sind nicht immer auf Anhieb für jede Idee zu gewinnen, und es wäre eine Schönfärberei, hier nicht auch jene Ärger- und Neidgefühle anzusprechen, die uns bei solchem Anspruch vielfältig begegnen. Auch verweist der Schulleiter zu Recht auf die Fülle unvermeidbarer unterrichtlicher Störungen. Dazu sind die Eingriffe, die unser Unternehmen für den Stundenplan, für eine Reihe von Fachbereichen, für den Anspruch der Lehrplanerfüllung, ja auch gegenüber persönlichen Egoismen und "Erbhöfen" bedeutet, zu unübersehbar.

  • Dies alles bildet einen erheblichen psychologischen Druck und kostet immer viel Kraft! Deshalb ist es hier nicht nur hilfreich, sondern geradezu unverzichtbar, sich einen weitgefächerten Arbeitsstab an die Hand zu holen, mit dem zunächst alle wichtigen anstehenden Fragen erörtert, vor allem aber der schulumfassende Anspruch auf Probenzeit sowie viele weitere, sich daraus ergebende Maßnahmen durchsetzbar gemacht werden können. Auf mich allein gestellt - und dies ist der entscheidende Punkt - wäre ich bei solcher Arbeit einsam geblieben.

  • Welches sind nun die Kollegen, die ich für ein solches Projekt benötige? Da ist zunächst ein Deutschlehrer, der die Regiearbeit übernehmen kann. Dann muß ein Kunsterzieher für das Bühnenbild gefunden werden, ein Werklehrer für den Kulissenbau sowie eine Kollegin vom textilen Werken für die Kostümentwürfe und -herstellung. Auch die Arbeit im gesamten instrumentalen Bereich sollte unbedingt ein Fachkollege übernehmen. Für Ton, für Beleuchtung, für choreographische Einlagen und vielerlei sonstige synchrone Bewegungsabläufe ist es sinnvoll, je einen Kollegen oder eine Kollegin dabeizuhaben. Auch die gesamte Übersicht und Ordnung hinter der Bühne (Inspizienz) bedarf einer energischen Kraft, und im ganzen sensiblen, meist recht komplizierten Bereich schulinterner Planung, Organisation und Koordination kann ohne den umsichtigen Einsatz mindestens eines durchsetzungsfähigen Kollegen vieles schief gehen. Auch für die Finanzplanung sowie für eine wirksame nicht zu unterschätzende Öffentlichkeitsarbeit sollte man sich zusätzlich der Mitarbeit je eines Kollegen vergewissern. Schließlich muß die Kooperation mit dem Elternbeirat stets gut funktionieren, denn es wird zu recht massiven Störungen des regelmäßigen Unterrichts kommen, und man braucht jede Rückendeckung. Man sollte gar nicht erst damit anfangen, sich so halb an den Kollegen oder gar der Schulleitung "vorbei zu wurschteln", die vorher absehbaren Problemfelder müssen rechtzeitig auf den Tisch und offengelegt werden, damit sie planbar bleiben. Schulleitung und Kollegium müssen vorher ihr uneingeschränktes Ja zu einem solchen raumgreifenden Projekt sagen, worauf ich mich später jederzeit berufen kann. Wer mitgezählt hat, wird feststellen, daß die Mannschaft - eigentlich ist es mehr eine Seilschaft - auf inzwischen zwölf Mitarbeiter aus der Kollegenschaft angewachsen ist. Das mag abenteuerlich anmuten, aber man braucht eine so große Crew, um arbeitsfähig zu sein und um eine Unternehmung solchen Ausmaßes durchzusetzen. Und ohne diese Basis von Kooperation und Solidarität sähe der Musiklehrer in der Tat nicht nur sehr schnell einsam, sondern zusätzlich auch noch sehr alt aus. Unvorhergesehenes sorgt ohnehin für Aufregungen genug.

Es kann nicht in meiner Absicht liegen, mit obiger Darstellung etwa ein Horrorszenario zu erstellen, vor dem der durchaus unternehmungsgewillte Fachkollege nun wohl eher endgültig die Waffen streckt. Doch dazu besteht nicht der geringste Anlaß. Es ist just diese Form von Kooperation, die Einsamkeit überwindet. Vielmehr will ich auf das direkte Gegenteil hinaus: damit dieser Kollege nicht im selbstverursachten Chaos einsam und alt aus sieht, bedarf er jener Solidarität; und er muß sie sich selbst schaffen. Eines der faszinierendsten Projekte, welches die Schule überhaupt für ihre Kinder bereithalten kann, darf und muß nun eben einmal für eine begrenzte Zeit Priorität im schulischen Leben erhalten. Und im Laufe der Zeit wird dann auch im gesamten Kollegium und in der Elternschaft zunehmend deutlicher und überzeugender, was ein solches Musicalprojekt nicht nur für die Kinder, sondern auch für das Image der gesamten Schule bedeutet.

Immerhin erlebe ich - zugegebenermaßen nicht ganz ohne einen gewissen Stolz - Jahr für Jahr, daß Eltern bei der Wahl der Schule für ihre Kinder unsere Schule wegen der Musicalprojekte deutlich bevorzugen und die Frage stellen, ob denn für ihr Kind eine Mitwirkung in absehbarer Zeit in Frage komme.

Ein weiterer wesentlicher Vorteil der oben beschriebenen Arbeitsteilung liegt nicht so sehr in der Arbeitsentlastung, als vielmehr in der Möglichkeit, in sehr vielen Bereichen gleichzeitig proben zu können, was bewirkt, da die Zeit für die Einstudierung gerafft wird. Dies wiederum beugt einer möglichen Probenmüdigkeit bei den Kindern vor. Hierzu sei noch folgende Erfahrung angesprochen: Ich habe von vornherein darauf geachtet, daß die Spieler in organisierbare Einheiten eingeteilt werden, also Dienergruppen, Polizistengruppen, Räuber-gruppen o.ä., die viel zusammenagieren, sollten jeweils mit Kindern aus einer Klasse besetzt werden. So bleiben Störungen erfahrungsgemäß erheblich begrenzt. Selbst die Regiearbeit kann entsprechend auf mehrere Schultern verteilt werden, damit viele verschiedene Gruppen gleichzeitig proben können.

  • Um die für all diese Arbeit unverzichtbare Gemeinsamkeit von vorn herein zu erzielen, pflege ich bereits lange vor Beginn der ganzen Projektarbeit alle betroffenen Kolleginnen und Kollegen zu mir einzuladen und ihnen weite Teile aus dem Opus vorzuspielen, vorzulesen und vorzusingen. Dabei wird gleich auch ein Mitschnitt der Texte auf Cassette aufgenommen, der später vervielfältigt und den Kindern zum Textstudium nach Hause mitgegeben wird. - Erst nach diesem Treffen hat es Sinn anzufangen, d.h. gemeinsam mit der Planung zu beginnen und die Arbeit zu verteilen. Dabei gibt es auch neben organisatorischen Fragen eine Reihe von Punkten zu bedenken, die ich hier zumindest in Kurzform ansprechen will:

  • Wer soll mitspielen? - Natürlich möglichst alle, die Lust haben! Auch die Komparserie (Chor) hat eine gewichtige Rolle.

  • Was ist mit etwa dem Viertel der Kinder aus den vorgesehenen Klassen, das nicht mitmachen möchte?

  • Dies ist ein organisatorisches Problem der Schulleitung! Meist lassen sich solche Kinder später erfolgreich und gern hinter der Bühne einsetzen. Oft lassen sich solche Gruppen auch zu Fördereinheiten zusammenstellen, - eine Maßnahme, für die viele Eltern nachdrücklich sehr dankbar ist!

  • Nach welchen Kriterien wähle ich mein Spieler aus? Nach Spiellaune und Frische, weniger nach deren Fähigkeiten; diese entwickeln sich in faszinierender Weise meist während der Probenarbeit ganz von allein!

  • Bei einer schulischen Musicalproduktion gibt es neben den Mitspielern natürlich auch noch viel Arbeit für ein ganzes Heer von Helfern: Beleuchtungs- und Tonassistenten, Masken- und Kostümbildner, Fotographen und Videofilmer, Tischler, Maler, Bühnenarbeiter, Inspizienten, Requisiteure, Souffleure, Saalordner, Plakat- und Programmmaler, Garderobieren, Getränkeverkäufer etc., schließlich noch eine Reihe von größeren Jungen und Mädchen, die sich hinter der Bühne um die zahllosen großen und kleinen Problemchen der Spieler kümmern. Hier sind viele gerade unter solchen Kindern zu interessieren und einzusetzen, die im spielerischen Bereich weniger Zutrauen oder Neigungen entwickeln.

  • Der Leser, der mir bis zu diesem Punkt gefolgt ist, wird merken, wie viele Fragen zur Realisation eines solchen Musical-Projekts trotz allem offen bleiben mußten. Wenn es mir jedoch gelungen sein sollte, ihn zu überhaupt für einen Versuch in diesem Genre zu interessieren, müßte sich für ihn auch Hilfreiches aufgetan haben.

Und so bleibt zum Schluß eigentlich nur die Frage: Ist das eigentlich schwer für Kinder, das Alleinsingen, das Umgehen mit dem Mikrophon, das Erlernen schwerer Melodien und Rhythmen, das Behalten der vielen Texte und die Koordinierung der Bewegungen, allein wie in der Gruppe? Man möchte augenzwinkernd sagen: Was Kindern derart schnell und selbstverständlich von der Hand geht, was sie so spielend lernen und ihr Leben lang nicht mehr vergessen werden, muß eigentlich ganz leicht sein, - ganz leichte Schwerstarbeit! - Und vergessen wird all das keiner von ihnen. Auch der Kollege nicht, der nach getaner Arbeit dankbar an die vielen kleinen und großen Erfolge, an die große Zahl neuer, wertvoller Bindungen, die sich zwischen kleinen und großen Menschen haben knüpfen und Einsamkeit haben überwinden lassen. Und wenn der große Frust sich wieder einmal über seinen Schulalltag zu legen droht.

Es gibt da Mittel und Wege.

Wolfgang Fricke


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